Kalte Dusche

Gesundes Neues zusammen! Ja, mein Blog lebt noch. Es waren drei intensive Monate, wo für's Bloggen so gut wie keine Zeit blieb. Nachdem ich ausgewandert bin, musste ich hier in Australien erst mal Fuß fassen und einen Alltagsrhythmus finden. Hinzu kam viel viel Arbeit, was das Fuß fassen noch mal in die Länge zog.

Doch nun zum Thema: In meiner alten Wohnung in Jena hatte ich mal kein warmes Wasser und musste leider kalt duschen und habe es gehasst. Heute morgen hatte ich wieder mal eine kalte Dusche, diesmal aber mit Absicht und ich habe es das erste Mal in meinem Leben genossen. Ganz egal, wie warm es draußen ist - eine kalte Dusche kam bisher nie in Frage. Doch nach der zweiten Nacht in einer Schweißlache habe ich mich mal wieder durchgerungen kalt zu duschen und es war herrlich!

Die Tage steigt die Temperatur im Minutentakt und es sind jeden Tag über 40° und auch Nachts fällt das Quecksilber gerade mal auf knapp unter die 30°-Marke. Meine Wohnung hat auch keine Klimaanlage - und wie jedes Gebäude in Australien keine Isolierung oder Dämmung - und somit ist es in der Wohnung in etwa so warm wie draußen. Man spart so jede Menge Strom, der absurd teuer ist (ohne Klimaanlage kostet mich Strom pro Monat immer noch um die $100). Der einzige Nachteil ist, dass man die Tage nicht wirklich viel erholsamen Schlaf bekommt.

Vor zwei Wochen noch war es da deutlich kälter. Zu Silverster musste ich sogar die Jacke auspacken. Ich habe dieses Jahr - wie vor zwei Jahren mein letztes Silvester in Melbourne - wieder mal in St. Kilda in der Nähe des Strands gefeiert. Ein paar Wochen zuvor hatten wir ein Pärchen in einem Pub kennengelernt und da wir für Silvester noch keinen Plan hatten, kam uns deren Einladung entgegen. Wir waren in einer Bar, wo wir für $50 eine Trink-Flatrate gebucht hatten und waren gegen Mitternacht dann auch gut voll. Feuerwerk habe ich wieder keins gesehen, wobei ich diesmal Schuld war und nicht die Stadt, wie vor zwei Jahren. Privatpersonen dürfen hier kein Feuerwerk kaufen und so geht Silvester deutlich zivilisierter und ruhiger zu.

Irgendwann nach Mitternacht - genaue Uhrzeiten spielten zu diesem Zeitpunkt keine Rolle mehr - wurde ich dann wegen Trunkenheit nicht mehr in die Bar zurückgelassen, nachdem ich draußen eine geraucht habe und so haben wir uns zum Strand auf gemacht.

Nach ein paar entspannenden Momenten kam ein Typ vorbei und fragte uns, ob wir sein Handy mal anklingeln können, weil es ihm irgendwo am Strand aus der Tasche gefallen ist. Die Suche blieb erfolglos, doch der Typ blieb bei uns und erzählte uns plötzlich, dass er in der Vergangenheit viel Drogen genommen hat und auch schon im Gefängnis war. Nun ist es kein Problem, wenn mir jemand so eine Story erzählt. Das Problem entstand als er anfing davon zu schwärmen, wie er Gewalt mag. Etwas beängstigend wurde dies, als er dazu mit einem großen Stein in der Hand rumgefuchtelt hat. Wir haben die Situation gut überstanden und sind mit dem Schrecken davon gekommen, aber hätte der Typ zugehauen, wüsste ich nicht, ob wir in unserem Zustand in der Lage gewesen wären zu reagieren. Fazit: Vorsicht am Strand in der Nacht - uns wurde auch von Freunden bestätigt, dass des Nachts manchmal komische Gestalten am Strand rumstrolchen.

0 Kommentar(e) / Donnerstag, 16. Januar 2014 / Peter



Outback Tag 2 - Kings Canyon

Nachdem wir am ersten Tag lediglich von Alice Springs zum Uluru Resort (20 Kilometer entfernt vom Ayers Rock) gefahren sind, schmiedeten wir am Abend an der Bar Pläne für den nächsten Tag. Das erste Ziel sollte der Kings Canyon nordöstlich vom Uluru sein. Also sind wir am nächsten Morgen nach einem ausgiebigen Frühstück aufgebrochen, um  fast die halbe Strecke wieder zurück nach Alice Springs zu fahren. Irgendwann nach ein paar Stunden sind wir dann abgebogen und noch mal ein paar Stunden Richtung Norden gefahren. Ich habe währenddessen weiter geschlafen und bin wie üblich gegen Mittag aufgestanden - oder vielmehr aus dem Auto gestiegen.

Als ich aufwachte, kamen wir gerade an einer Tankstelle ziemlich in der Nähe vom Kings Canyon an und der Tank unseres Mietwagens war so gut wie leer. $150 später war er wieder voll und wir begutachteten Kamele, die neben der Tankstelle rumlagen. Ich habe bestimmt in den letzten 20 Jahren kein Kamel mehr in echt gesehen, entsprechend begeistert war ich. Ansonsten wirkte alles etwas seltsam, aber enorm friedlich. Irgendwie so, wie man es in einem Western-Film sieht - das einzige was man hört ist ein Schild an einem Metalgestänge, was sich im Wind wiegt und metallische Geräusche von sich gibt.

Es gab wieder jede Menge Fliegen, die einem permanent im Gesicht rumschwirren und in alle erreichbaren Körperöffnungen kriechen. Ich war diesmal mit einem Fliegennetz über meinem Kopf gewappnet - ich war also gut gerüstet für unsere erste Tour.

Ein paar Kilometer hinter der Tankstelle ging es dann rechts ab zu einem Parkplatz am Fuße des Kings Canyon. Der Kings Canyon ist nichts weiter als ein Tal. Laut Informationsschildern am Parkplatz ist der Kings Canyon jedoch ein "echter" Canyon - nicht wie der Grand Canyon in den U.S.A, der wohl nur eine Auswaschung ist.

Wir entschieden uns für die 4-stündige Tour und mit ausreichend Wasser bewaffnet starteten wir den Aufstieg zum Rand des Canyons. Während des Aufstiegs auf über etwa 150 Meter konnte man - vom Canyon weg blickend - die unendliche Einöde des australischen Outbacks, inklusive eines wolkenfreien Himmels, bewundern.

Es war ziemlich heiß. Das Thermometer war mittlerweile auf rund 35° gestiegen und entsprechend hoch war der Wasserverbrauch, den man im Auge behalten sollte. Unterwegs sahen wir Bäume mit komplett weißer Rinde - nicht zu verwechseln mit der europäischen Birke - und jede Menge seltsame und auf diese Weise interessante Gesteinsformationen.

Oben angekommen kann man ein paar Kilometer den Canyonrand entlang in den Canyon reinlaufen und dann auf der anderen Seite zurück. Das was man am meisten sieht sind Steine, Steine und nochmals Steine. Über Jahrmillionen ausgewaschen und absurd verformt. Wenn man dann mal direkt an den Rand kommt, sieht man wie üblich in Australien überall "WARNING"-Schilder mit witzigen Abbildungen von Strichmännchen, die in den Abgrund stürzen.

Es waren entgegen meinen Erwartungen richtig viele Touristengruppen unterwegs und da es eigentlich nur einen Weg am Rand entlang gibt, war ich ziemlich schnell genervt von dem ständigen Geplapper, dem man einfach nicht entkommen konnte. So sehr das manche überraschen mag, aber wenn ich Natur genieße, bevorzuge selbst ich meine Ruhe.

Am Rand des Canyons hatte man einen fantstischen Ausblick auf die gegenüberliegende, nahezu senkrecht abfallende, Wand des Canyons. Wenn ich Geologe wäre, hätte ich wahrscheinlich dort mein Zelt aufgebaut und wochenlang Steine untersucht. Man konnte an Stellen, wo erst frisch Gestein abgebrochen war Jahrtausende von Gesteinsschichten sehen, was durchaus interessant war und einem wieder mal bewusst gemacht hat, wie wenig ein paar hundert Jahre auf diesem Planeten sind.

Nach reichlich vier Stunden kamen wir dann ein wenig erschöpft am Parkplatz wieder an und machten uns auf dem Heimweg, wo wir erst nach Sonnenuntergang ankamen. Kings Canyon war toll anzusehen. Man konnte eine schöne Wandertour machen und Natur pur erleben (mal abgesehen von den 30 Touristen, die für meinen Geschmack zu viel waren). Die spektakulären Steilwände und interessanten Gesteinsformationen waren sicherlich das Highlight dieser Tour.

0 Kommentar(e) / Donnerstag, 12. September 2013 / Peter



Große Steine und kleine Steine

Als ich das erste Mal aus Australien zurück nach Deutschland gekommen bin, haben mich Viele gefragt, ob ich auch mal am Ayers Rock war. Neben dem Opera House in Sydney ist der Monolith im Outback wohl eines der Wahrzeichen - wenn nicht sogar das Wahrzeichen - Australiens. Meine Antwort damals war: "Nö, wieso?".

Der Hauptgrund für mich den Ayers Rock nicht zu besuchen ist die Entfernung zu Melbourne. Rein geografisch liegen Melbourne und Alice Springs (die einzige "größere" Siedlung mit 25.000 Einwohnern in der Nähe des Ayers Rock) etwa 1900 Kilometer auseinander. Das ist weiter als von Berlin nach Moskau! Entsprechend lange fliegt man (fahren kommt eigentlich gar nicht in Frage - 2250 Kilometer bedeutet knapp 24 Stunden reine Fahrzeit!) und entsprechend teuer sind die Flüge.

Vergangenes Wochenende habe ich mich dann mit ein paar Kollegen dann doch mal durchgerungen herauszufinden, warum jeder Ayers Rock sehen soll. Am Samstagmorgen (und ich meine wirklich am Morgen!) sind wir also ins Flugzeug nach Alice Springs gestiegen und von dort zum Ayers Rock gefahren. Am Sonntag haben wir uns dann den Kings Canyon ("ganz in der Nähe") angeschaut und am Montag den Ayers Rock und die Kata Tjuta, bevor wir am Dienstag zurück nach Melbourne geflogen sind.

Direkt nach der Ankunft kam die erste angenehme Überraschung. Nach winterlichen 10° in Melbourne fühlten sich die 30° in Alice Spring erstaunlich gut an. Also haben wir uns auf dem Flughafenparkplatz erstmal nackig gemacht und sind auf kurze Hose und Badeschlappen umgestiegen.

Der nächste Stopp war ein Supermarkt. Dort haben wir erstmal an die 40 Liter Wasser gekauft (für vier Personen und drei Tage). Da wurde mir das erste Mal bewusst, dass wir in einer komplett anderen Welt waren. Es fühlte sich nahezu abenteuerlich an. Dann fuhren wir von Alice Springs Richtung Süden, vorbei an schicken Felsformationen, die aber auch schnell aufhörten. Was folgte war ein 6-stündiger Roadtrip, wobei die Straße nur geradeaus ging und rechts und links der Straße nichts als flaches Outback zu sehen war. Die erste Begeisterung für diese eigenartige Umgebung schlug schnell in Langeweile um. So wie auf dem Bild sieht es in der Tat ÜBERALL aus. Alles flach, kaum Bäume, keine Zivilisation, endlose Leere - fast wie der Weltraum.

Vielleicht sind die Attraktionen in der Gegend eben genau deshalb so interessant, weil es sonst nichts zu sehen gibt. Alle 200 - 300 Kilometer gibt es eine Behausung; meist mit einer Tankstelle, wo man für nahezu den doppelten Preis wie in der Zivilisation Sprit kaufen kann. Voll die Abzocke! Die Australier sollen sich mal nicht so haben... Als ob die entlose Leere ein Grund ist Benzin so teuer zu machen.

Wie der Eine oder Andere vielleicht erwarten würde, gibt es in der Gegend kaum Niederschlag. Östlich von Alice Springs gibt es sogar eine richtige Wüste. Und nachdem wir zwei Tage keine einzige Wolke gesehen haben, habe ich sogar eine Wette ausgesprochen. Der Erste, der eine Wolke sieht, bekommt von mir $10! Ich war mir ziemlich sicher, dass mein Geld sicher in meiner Tasche bleibt.

Wie man am Bild links sieht, blieb mir mein Triumph jedoch vergönnt. Ausgerechnet am letzten Tag an der letzten Attraktion gab es einen Aufschrei: Eine Wolke!! Es war eine Sensation ... für ein paar Sekunden, denn nach wenigen Sekunden hatte sich die Wolke auch wieder aufgelöst.

Die größte Begeisterung für's Outback gewann ich bei Nacht. Nun mag man fragen, wieso? Denn mit keinerlei Zivilisation ist es in der Nacht im Outback ziemlich dunkel. Nicht jedoch, wenn man nach oben blickt. Der Sternenhimmel (bei - ich nehme mal an - wolkenfreien Himmel) war atemberaubend. So etwas hatte ich bis dahin noch nicht gesehen und wird man in der Zivilisation (mit Lichtsmog überall) wohl auch nicht sehen. Vor unseren Augen war die gesamte Milchstraße ausgebreitet. Zunächst dachte ich, dass es bewölkt war, bis ich verstand, dass was wie Wolken aussah einfach nur unglaublich viele kleine (oder weit entfernte) Sterne waren. In diesem Moment denkt man daran, wie unsere Vor-Vor-Vor-Vor-Vorfahren in den Himmel blickten und dieses Spektakel nahezu jede Nacht genießen konnten und man beneidet sie.

Ich werde in diesem Beitrag nicht auf die Details dieses Abenteuers eingehen, sondern im Verlauf der kommenden Tage (oder Wochen) die Tage einzeln Revue passieren lassen, da die Eindrücke, die ich gewonnen habe nicht in einem Beitrag zu fassen sind.

0 Kommentar(e) / Montag, 02. September 2013 / Peter



Nach Neuguinea abgeschoben

Die Tage ist Australien mal wieder in Aufruhr! Heute wurde vor der alten Bibliothek in Melbourne wieder mal demonstriert gegen den letzten Skandal in der Einwanderungspolitik von Australien. Kurz zum Hintergrund: viele Flüchtlinge aus den Schurkenstaaten kommen mit kleinen klapprigen Booten nach Australien geschippert, um in einer freien Gesellschaft zu leben. Warum sie nach Australien kommt bleibt mir ein Rätsel, denn so wirklich frei ist man hier auch nicht, aber ich kann mir schon vorstellen, dass es vielleicht besser als der Iran ist, welches den größten Teil der Flüchtlingswelle stellt. Danach kommen der Irak, Afghanistan, Vietnam, Bangladesh und Sri Lanka.

Nachdem das letzte Boot vor der Küste fast untergegangen ist und man die Flüchtlinge aus dem Wasser holen musste, ist der australischen Regierung der Kragen geplatzt. Bisher wurden Flüchtlinge in ein Camp auf einer Insel verschifft, welche mitunter eher einem KZ ähnelten (Mord, Vergewaltigung, Diebstahl und sonstiges sind an der Tagesordnung). Dort warteten die Flüchtlinge auf die Bearbeitung ihrer Asylanträge. Jetzt will man sämtliche Flüchtlinge permanent nach Neuguinea (ein großer Inselstaat nördlich von Australien) verschiffen.

Neuguinea ist ein Land mit vielen verschiedenen Kulturen. Die rund 7,5 Millionen Einwohner sprechen rund 800 verschiedene Sprachen und sind größtenteils Bauern. Nebenbei ist Neuguinea auch bekannt für Verletzungen von Menschenrechten und einer sehr hohen Kriminalitätsrate in der Hauptstadt. Kurz zusammengefasst ist Neuguinea also wahrscheinlich nicht viel besser als der Iran oder Bangladesh, woher viele Flüchtlinge kommen.

Interessant fand ich das Argument des Premierministers, der die Abschiebung nach Neuguinea damit begründete, dass die Insel sehr groß ist und nur wenig Einwohner hat. In Neuguinea leben rund neun Menschen auf einem Quadratkilometer. Das ist in der Tat nicht viel. Das Argument ist jedoch absurd, wenn man überlegt, dass Australien lediglich auf drei Menschen pro Quadratkilometer kommt.

Ich glaube, der Premierminister will nur nicht, dass sehr arme Flüchlinge in "seine" schönen und wohlhabenden Metropolen strömen. Als ich mich mit einem Studenten aus Vietnam unterhalten habe, meinte der, dass man die Tage unglaublich viel Geld in einen Visa-Antrag pumpen muss, bevor man durchkommt. Außerdem muss man nachweisen, dass man noch mehr Geld hat. Und auch mein eigener Visa-Antrag dauerte diesmal deutlich länger, wobei ich in der glüchlichen Situation war, dass meine Firma sich darum gekümmert hat und ich einen Hochschulabschluss besitze. Letztes Mal musste ich jedoch auch einen Kontoauszug vorlegen, der ein gewisses Grundkapital nachwies. Das Ganze stinkt nach Selektion und Australien wird von der UN bereits hart kritisiert für diese deutliche Abwendung von Menschen, die eine risikoreiche Reise auf sich nehmen, weil sie in ihrem eigenen Land nicht überleben können. Dabei leben gerade mal 30.000 Flüchtlinge in Australien. Verglichen mit Deutschland (eine halbe Million) ist das ein Klacks, selbst wenn man mit einbezieht, dass Deutschland etwa vier Mal mehr Einwohner hat.

0 Kommentar(e) / Samstag, 27. Juli 2013 / Peter